Bald weniger US-Astronauten auf der ISS

In einem Bericht vom 14. November 2019 warnt der Generalinspekteur der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA davor, dass wegen der anhaltenden Verzögerungen bei der Fertigstellung der beiden neuen Raumschifftypen Boeing Starliner (in der Grafik links) und SpaceX Dragon der Zugang für amerikanische Astronauten zur Raumstation ISS ab Herbst 2020 stark eingeschränkt sein könnte.
In ihrer längerfristigen Planung war die NASA davon ausgegangen, dass beide Raumschiffe schon längst einsatzbereit wären. Entsprechend wenig Plätze in russischen Sojus-Kapseln sind gekauft worden. Die Zertifizierung der beiden neuen Typen hat die NASA aktuell für den Januar 2020 bei der Dragon und den Februar für die Starliner geplant. Vorher muss jedes Raumschiff jedoch einen bemannten Testflug absolvieren. Dies scheint jedoch nach Stand der Dinge nicht möglich.
Die Entwicklung beider Raumschiffe war zum Beispiel durch Versagen der Fallschirme bei Versuchen gebremst worden. Bei der SpaceX Dragon war bei einem Abort-Test ein Rettungstriebwerk explodiert. Der Zertifizierungsprozess von hunderten von einzelnen Systemen und Komponenten wird auch einige Zeit dauern.
Eine geringere Zahl von US-Astronauten auf der ISS wird die wissenschaftliche Arbeit stark beschneiden, weil die vertraglich festgelegten Wartungsarbeiten auf der Station von der verkleinerten Crew trotzdem vollständig durchgeführt werden müssen. Ganz hinten an stehen europäische Raumfahrer, die ihre Sitze in der Sojus von den Amerikanern kaufen und vermutlich auf absehbare Zeit leer ausgehen. Nichts desto trotz wird die ESA im Jahr 2020 neue Astronauten suchen.

Grafik: NASA