Expertengremium zum Kampfflugzeug FCAS

Mit einer Presseerklärung am 14. Mai 2020 hat Airbus und das Fraunhofer Institut die Einrichtung einer Internetseite für ein Expertengremium zur Begleitung des Kampfflugzeug-Projektes FCAS bekanntgegeben:

„Im Rahmen der Entwicklung des Future Combat Air System (FCAS) (Grafik) haben Airbus und das Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE ein unabhängiges Expertengremium zur verantwortlichen Nutzung neuer Technologien gebildet, das ethische und international geltende rechtliche Leitlinien für Europas größtes Verteidigungsprojekt definieren und vorlegen soll.
Dem Gremium, das 2019 in Deutschland eingerichtet wurde, gehören derzeit unter anderem das deutsche Verteidigungsministerium, das deutsche Außenministerium sowie Vertreter von Stiftungen, Universitäten und Thinktanks an.
Das „Future Combat Air System“, kurz: FCAS, ist das größte und ambitionierteste europäische Verteidigungsprogramm der kommenden Jahrzehnte, wenn nicht des gesamten 21. Jahrhunderts. Vorgesehen ist nicht weniger als ein Luftverteidigungssystem für Europa, das ab 2040 sukzessive die bestehenden Plattformen wie Eurofighter oder Rafale zunächst integrieren und zu einem späteren Zeitpunkt ablösen soll.
Im Jahr 2017 haben die Regierungen Deutschlands und Frankreichs die Entscheidung getroffen, ein solches System gemeinsam zu entwickeln. 2019 kam Spanien als drittes FCAS-Partnerland dazu. Im Laufe der Zeit sollen weitere europäische Nationen an Bord genommen werden und das FCAS somit in ein wahrhaft gesamteuropäisches Projekt weiterentwickelt werden. Gelingt dies, könnte sich das FCAS als ein Katalysator bei der Gestaltung einer gemeinsamen europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Zukunft erweisen.
Ein Kennzeichen des FCAS ist, dass es deutlich mehr sein wird als „nur“ ein Kampfflugzeug. Bemannte Jets neuester Generation sind darin Elemente eines komplexen und umfassend vernetzten „System-of-Systems“. Unbemannte Komponenten, sogenannte „Remote Carrier“, schützen als „loyal wingmen“ die Piloten und begleiten sie in Kampfmissionen. Offene Systemarchitekturen erlauben, auch bestehende Plattformen in ein FCAS zu integrieren. Zentral ist eine „Air Combat Cloud“, die alle relevanten Informationen den Akteuren einer Mission in Echtzeit zur Verfügung stellt.
FCAS stellt in vielerlei Hinsicht einen Quantensprung dar: Nicht nur wird es über Jahrzehnte Europas größtes Verteidigungsprojekt sein und zu einer engeren Zusammenarbeit unserer Partnernationen beitragen; mit FCAS intensivieren wir auch den Einsatz neuer Technologien, die Teil dieses ‚System of Systems‘der sechsten Generation sein werden“, erklärt Dirk Hoke, Chief Executive Officer von Airbus Defence and Space. „Daraus ergeben sich neue sicherheitspolitische Möglichkeiten, die Europas Rolle in der Welt stärken werden. Sie werfen aber auch ethische und rechtliche Fragen auf, mit denen wir uns befassen müssen.“

Brigadegeneral Dipl.-Ing. Gerald Funke vom Bundesministerium der Verteidigung äußert sich auf der Homepage des Gremiums:
„Wir [werden] keine technische Auslegung [eines FCAS] akzeptieren, die einem System die Möglichkeit geben würde, einen anderen Menschen allein aufgrund der Berechnung eines Algorithmus töten zu lassen. Der Mensch wird der alleinig bestimmende Faktor bleiben und Entscheidungen in aller Konsequenz zu treffen haben“.

Grafik: Airbus/Fraunhofer
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