Passagiere mit Gepäck behindern Not-Evakuierung

Die kanadische Luftsicherheitsbehörde TSB hat in einem Bericht auf die wiederholten Vorfälle hingewiesen, bei denen eine Not-Evakuierung eines Verkehrsflugzeugs durch Passagiere behindert wurde, die ihr Gepäck mitnehmen wollten. Am 5. Januar 2018 musste eine Boeing 737 auf dem Flughafen von Toronto geräumt werden. Eine Maschine der Gesellschaft WestJet stand nach der Landung hinter einer anderen, leeren Boeing 737. Diese wurde mit am Heck laufenden Hilfstriebwerk von der Bodenmannschaft rückwärts geschoben und kollidierte mit der voll besetzten 737. Es kam zu einer Explosion mit einem großen Feuerball, sodass der Kapitän der WestJet-737 die Not-Evakuierung seines Flugzeugs anordnete (Grafik).
Obwohl die Kabinenbesatzung immer wieder durchsagte, die Kabine sei ohne Gepäck sofort zu verlassen, wurde dies durch zahlreiche Passagiere behindert. Diese blieben im Gang stehen und suchten in den Gepäckfächern nach ihren Taschen.
Die TSB stellte auch fest, dass die Gesellschaft WestJet beim Passagier-Sicherheits-Briefing vor dem Start nicht darauf hingewiesen hatte, bei einer Evakuierung unbedingt das Gepäck zurückzulassen.
Die Royal Aeronautical Society hat in einem Bericht über Evakuierungen der letzten Jahre festgestellt: „Die weitverbreitete Nutzung von Smartphones hat eine steigende Zahl von Foto-Beweisen erbracht, dass Passagiere während einer Evakuierung ihr Gepäck an sich nehmen und es durch die Kabine tragen, trotzdem dies eine Bedrohung der Sicherheit  und eine Behinderung der Evakuierung darstellt.“ Der Bericht (in englicher Sprache) ist kostenlos im Internet verfügbar.

Grafik: Boeing

Bericht zu Evakuierungen (PDF)