Erster Besuch von einem anderen Stern

Die astronomische Welt ist außer sich vor Freude. Am 19. November 2017 beobachteten NASA-Astronomen auf Hawaii einen Asteroiden.  In einer Entfernung von 200 Millionen Kilometern von der Erde rast der neu entdeckte Asteroid mit immerhin 140 000 km/h durch unser Sonnensystem. Die hohe Geschwindigkeit ist ein Hinweis darauf, dass der Asteroid nicht aus dem Solarsystem stammen kann, sondern von einem fremden Stern kommen muss.
Er ist von oberhalb der Bahnebene der Planeten in das Sonnensystem eingedrungen und wird es, durch die Schwerkraft der Sonne umgelenkt, etwa in der Ebene wieder verlassen. Es ist damit der erste nachgewiesene interstellare Besucher, den die Menschheit entdeckt hat. Damit haben Astronomen eine neue Klasse von Himmelsobjekten eröffnet, fortan ist der Besucher als 1I/2017 U1 registriert. Er erhielt von seinen Entdeckern den Namen „Oumuamua“, was auf Hawaii soviel bedeutet wie: „der Besucher, der zuerst ankommt“.
Auch die Form ist ungewöhnlich. Oumuamua ist etwa 400 Meter lang, aber nur etwa 40 m breit (siehe künstlerische Darstellung). Eine solcher zigarrenförmiger Körper ist in unserem Sonnensystem noch nie beobachtet worden, aber ausgerechnet der erste interstellare Asteroid zeigt diese Form. Eine Erklärung gibt es dafür bisher nicht. Der rötliche Körper rotiert alle 7,3 Stunden einmal. Anfang September ist Oumuamua innerhalb der Merkurbahn an der Sonne vorbeigeflitzt. Bisher konnte kein Ausgasen beobachtet werden, also besteht der Körper vermutlich aus festen Stoffen.
Nach einer Begegnung mit dem Jupiter im Mai 2018 und mit dem Saturn im Januar 2019 wird er unser Sonnensystem in Richtung Pegasus verlassen. Seine Bahn lässt sich etwa in Richtung des Sterns Wega zurückverfolgen, Oumuamua soll aber wahrscheinlicher aus dem jungen Sternhaufen Carina in etwa 200 Lichtjahren Entfernung stammen. Dort bilden sich neue Planetensysteme, bei deren Entstehung der Körper herausgeschleudert worden sein könnte. Dann wäre der Besucher schon viele Millionen Jahre unterwegs.

Grafik: European Southern Observatory/M. Kornmesser via NASA