Erstes Kabinen-Flugzeug soll restauriert werden

Am 25. Juni 1919 begann mit dem Erstflug der Junkers F 13 das Zeitalter der Ganzmetall-Flugzeuge – Repliken der wegweisenden Konstruktion sind geplant.

Am 25. Juni 1919 gab es mit dem Erstflug einer Junkers F 13 eine Weltpremiere, deren Bedeutung allerdings damals kaum erkannt wurde. In den Augen von Luftfahrthistorikern markiert dieser Flugzeugtyp einen gewaltigen Fortschritt im Flugzeugbau: Mit dem Start des ersten Ganzmetall-Flugzeugs, der „F 13“ von Hugo Junkers, begann das Zeitalter des zivilen Passagier-Flugverkehrs.
Der Tiefdecker bot vier Passagieren Platz in einer beheizten Kabine – ein bis dahin ungekannter Komfort. Ungemütlich hatten es dagegen weiterhin die beiden Piloten: Sie steuerten die Maschine vom offenen Führerstand aus – der Begriff Cockpit war noch ebenso unbekannt wie Fensterscheiben dafür. Geflogen wurde, wie Flug-Veteranen berichteten, betont wagemutig – was auch für die Konstruktionen zutraf. Sie ähnelten wie auch der Flugstil dem, was der Film von den „Tollkühnen Männern in ihren fliegenden Kisten“ karikiert. Die Rümpfe wurden bis dahin in Spantenbauweise hergestellt – Gerippe aus Holz, die mit Stoff bespannt waren.

Der aus Rheydt im Rheinland stammende Ingenieur Hugo Junkers, der 1897 bis 1912 an der TH Aachen als Professor Thermodynamik lehrte, hielt solche Fluggeräte für unbrauchbar für Passagierbeförderung. Er wollte Flugreisen angenehmer machen. Durch den erstmalig konsequenten Einsatz des damals neuen Baustoffs Duraluminium entstand ein Prototyp der Wellblechbauweise, die auch für alle späteren Junkers-Flugzeuge typisch blieb. Junkers, Vater des Flugzeug-Leichtbaus, sein Konstrukteur Otto Reuters und Emil Monz, der Pilot des Erstflugs wurden zu den Wegbereitern eines Durchbruchs im Flugzeugbau, der wohl nur noch mit der Erfindung des Strahltriebwerks durch Pabst von Ohain zu vergleichen ist.

Da der Vertrag von Versaille Deutschland unter anderem auch den Bau von Flugzeugen verbot, musste Junkers seine noch als „J 12“ entwickelte Maschine im Ausland zusammenbauen lassen. Baugruppen der „F 13“, aus denen die Flugzeuge im Prinzip überall auf der Welt montiert werden konnten, wurden in Dessau vorgefertigt. Dieses Prinzip hat sich durchgesetzt: Noch heute wird etwa der „Airbus“ an vielen Produktionsstätten in Europa in Teilen vorproduziert, die im Endwerk in Toulouse montiert werden.
Schon bald nach dem Erstflug wurde die „F 13“ – nach Junckers’ Tochter auch „Annemarie“ genannt – im Passagierverkehr nach Osteuropa eingesetzt. Eine „F13“ mit acht Personen an Bord schraubte am 13. September 1919 den Höhenweltrekord auf 6750 Meter, drei Jahre später überquerte sie als erstes Verkehrsflugzeug die Alpen, stellte einen Weltrekord im Dauerflug mit 4270 Kilometern auf.
In der Postverwaltung der USA wurde die „F 13 Annemarie“ als Passagier- und Frachtflugzeug ebenso eingesetzt wie in Argentinien, Brasilien, China, Persien, Polen und Ungarn. Sie bewährte sich in der Hitze über Afrika, Asien und Australien ebenso wie in der Kälte, im Norden Kanadas und Sibirien. Der „Blechesel“, wie ihn Flieger liebevoll nannten, war vielfältig einsetzbar. Sein Radfahrwerk konnte durch Kufen oder Schwimmer ersetzt werden. Die Triebwerke änderten sich im Laufe der Jahre – je nach Gebrauch und Einsatz. Dank der „F 13“ verlor die Luftfahrt schnell das Odium einer teuren, unwirtschaftlichen Extravaganz – und auch das der Unsicherheit, was die Nachkommen Hugo Junkers bis heute hervorheben. Die Maschine war um 30 Prozent sparsamer als Konkurrenten, senkte die Wartungskosten um 50 Prozent, während ihre Reichweite um 50 Prozent besser war.

330 Exemplare der „F 13“ wurden bis 1933 gebaut, heute fliegt davon keine einzige mehr. Doch die Legende stirbt nicht. Seit 20 Jahren werden in einer kleinen Fachwerkstatt im ungarischen Hereg nordwestlich von Budapest auch scheinbar hoffnungslos verrottete Flugzeugwracks in handwerklicher Kleinarbeit zu repräsentativen, wenn auch nicht flugfähigen Ausstellungsstücken renoviert. Hier soll nun auch die legendäre „F 13“ als nicht flugfähiges Ausstellungsstück wieder aufgebaut werden. Als Grundstock dient der Rumpf der in Kanada gefunden „City of Prince George“. Vater des Projekts ist Holger Steinle, Leiter der Luftfahrtabteilung des Technischen Museums in Berlin, die das Stück 2006 von Kanada erhielt. Die „Prince George“ soll später in Berlin und Winnipeg ausgestellt werden.

Doch Steinle hat weiter reichende Pläne. Er will zwei Repliken bauen, flugfähige Nachbauten. Das stößt allerdings noch auf diverse Schwierigkeiten, voran bei der Materialbeschaffung: „Flugtaugliches Aluminium-Wellblech findet man nicht mehr“, klagt Steinle.

Von der „F 13“ findet man keine kompletten Originalpläne mehr – sie wurden mit Einstellung der Produktion vernichtet, weil niemand vermutete, dass man sie jemals noch brauchen könnte. Steinle ist dennoch optimistisch: „Uns bietet das Originalstück aus Kanada jetzt die Möglichkeit, dass wir vorhandene Teile genau reproduzieren und fehlende von ihnen ableiten können“, sagte er im Gespräch mit dem ECHO. Ein originaler Junkers L-5-Flugmotor, der vor einigen Jahren im Jemen aufgetaucht war, wurde restauriert und auf der Luftfahrtmesse Aero in Friedrichshafen in Betrieb genommen.

Die Restaurierung gleicht einem diffizilen Puzzle. Eine junge technische Mitarbeiterin aus dem Hereger Team hat in mühevoller Kleinarbeit aus wenigen Originalunterlagen 1400 Zeichnungen erstellt, auf deren Basis die beiden Nachbauten entstehen sollen. Deren eine soll im Technik-Museum verbleiben, die andere soll der Verein der Freunde historischer Luftfahrzeuge in Mönchengladbach erhalten, der in vergangenen Jahren schon viele historische Flugzeuge mit Spendenmitteln renoviert hat. Wenn alles planmäßig läuft, soll die erste „F 13“-Replika spätestens 2013 in die Luft gehen. Damit würde eine Fliegerlegende wiedererstehen – fast wie Phönix aus der Asche.

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