Flugsicherung stellt BER-Routen vor

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat ihre abschließenden Routenvorschläge für den künftigen Flughafen BER in Schönefeld vorgelegt. Die endgültige Festlegung der Flugrouten nimmt das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung am 26. Januar 2012 vor.

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat der Fluglärmkommission am Montag ihre Routenvorschläge für den künftigen Flughafen Berlin Brandenburg (BER) vorgestellt. Demnach wird Potsdam umflogen, nicht aber die Wannsee-Region oder Zeuthen. Die Vorschläge wurden inzwischen dem Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung zugeleitet.

Laut DFS sollen die meisten Abflüge gen Osten bei Parallelstarts von der südlichen Startbahn in eine «scharfe Kurve» vor Zeuthen münden. Für sehr große Maschinen sei das allerdings nicht möglich. Daher fliegen den Vorschlägen zufolge elf Maschinen pro Tag geradeaus über Zeuthen weiter. Die DFS spricht trotzdem von einer «weitgehenden» Entlastung für die Gemeinde.

Eine zweite Alternative für Maschinen, die die «scharfe Kurve» nicht fliegen können, ist ein sogenannter Fleischerhaken, der die Maschinen um Zeuthen herum zwischen Wildau und Königs Wusterhausen führt. Auf dieser Route über der Autobahn gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 410 Stundenkilometern. Sie soll von 107 Flugzeugen pro Tag genutzt werden. Maschinen, die auch diese Route nicht fliegen können, biegen von der Südbahn zum Schönefelder Kreuz über Ragow ab.

In 3.500 Metern Höhe über den Müggelsee

Bei Geradeausflügen gen Osten von der Nordbahn ist bei Parallalstarts Erkner betroffen. Der Müggelsee wird in 3.500 Metern Höhe überflogen. Ebenfalls betroffen sei die Wannsee-Region im Berliner Südwesten, teilte die DFS mit. Die Flugzeuge würden dort bei Starts in Richtung Westen allerdings nicht mehr über nur einen Punkt, sondern «aufgefächert» fliegen. Darüber hinaus sei über der Wannsee-Region bereits eine Flughöhe von etwa 2.400 Metern erreicht.

Bei Westabflügen von der Nordbahn würde das Gros der Flugzeuge künftig in Höhe Ludwigsfelde die vorgeschriebenen Routen verlassen und damit Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf in geringer Höhe überfliegen.

p> Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte zu dem Vorschlag, das Engagement der Bürger habe sich gelohnt. Auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) begrüßte den neuen Flugrouten-Vorschlag. Zwar seien nicht alle Diskussionsergebnisse der Fluglärmkommission berücksichtigt worden, im Wesentlichen sei die DFS jedoch den Vorschlägen gefolgt.

Jahrelang waren Berliner und Brandenburger davon ausgegangen, dass die Flugzeuge von den beiden Pisten geradeaus starten. Doch die Piloten müssen aus Sicherheitsgründen abknickende Routen einschlagen, soll der Flughafen die gewünschte Zahl von Starts und Landungen bewältigen. Die Landesregierungen mussten sich deshalb Täuschungsvorwürfe gefallen lassen, äußerten sich jedoch selbst überrascht.

Die Vorsitzende der Bürgerinitiative Keine Flugrouten über Berlin, Marela Bone-Winkel, sagte: «Jetzt kriegen mehr Betroffene wenig Lärm und nicht wenige Betroffene viel. Damit kann man leben.» Von einem guten Ergebnis sprach Flughafensprecher Ralf Kunkel. Entscheidend war für die Betreiber, dass sie weiter beide Bahnen unabhängig voneinander betreiben können. Der Flughafen soll mit einer Kapazität von 27 Millionen Passagieren pro Jahr an den Start gehen.

Brandenburgs Verkehrsstaatssekretär Rainer Bretschneider (SPD) sagte, die Arbeit der Fluglärmkommission habe sich gelohnt. «Gleichwohl bleibt die Betroffenheit für viele. Einen Flughafen ohne Fluglärm wird es nicht geben können.» Es gebe noch Luft für Verbesserungen im Detail.

Der Berliner DFS-Chef Hans Niebergall sagte, die Behörde habe nicht wie von der Kommission gefordert alle Flüge vom Berliner Südwesten weg und um Potsdam herum lotsen können. Dadurch würden Wege länger und der Schadstoffausstoß der Maschinen wachse.

 

Die DFS hat die dem BAF vorgeschlagenen Routen auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Auf den dargestellten Karten werden sowohl die durchschnittlichen Höhen als auch die Routenbelegung, also welche Route von wie vielen Flugzeugen genutzt wird, angegeben.

Sicher wissen Berliner und Brandenburger erst am 26. Januar 2012, welche Routen die Flugzeuge vom und zum Flughafen einschlagen. Dann legt das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherheit die Routen per Rechtsverordnung fest. Der Flughafen Berlin Brandenburg "Willy Brandt" soll am 3. Juni 2012 in Betrieb gehen.

Link: Flugrouten-Vorschlag der DFS vom 4.7.2011 (PDF)

Quelle